01.06.2009

Villa am See, Langenargen

Das Denkmal am Seeufer - Historische Villa in Langenargen wurde  aufwändig in den Urzustand zurückversetzt

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In seiner nun schon über 100jährigen Geschichte hat das Anwesen einige bauliche Veränderungen erlebt, die nicht nur zu seinem Vorteil vorgenommen wurden. Nach dem Verkauf des Hauses samt Seegrundstück machte sich der neue Besitzer mit Unterstützung des Büros MLW – Architekten, Morent, Lutz, Winterkorn in Ravensburg, an die Arbeit des Rückbaus in den ursprünglichen Zustand. Ein Projekt dessen Abschluss als gelungen bezeichnet werden kann.

Die Zeitreise zurück ins Jahr 1907 führt zu einer eben fertiggestellten, stattlichen Villa ans Bodenseeufer unweit des Langenargener Hafens. Drei hohe Giebel, zusammengeführt unter einem markanten Dach, bestimmen die Architektur des Gebäudes. Von der Landseite aus gesehen, zeigt sich das Haus eingeschossig mit einem tief herabgezogenen Mansardendach. Vom See her gesehen erlebt man die Villa jedoch als zweigeschossigen Baukörper, mit einem als Vieleck ausgebildeten Erker über die beiden Stockwerke, im OG sogar mit Fachwerk ausgebildet. Mit viel Liebe zum Detail und handwerklichem Sachverstand haben die Bauarbeiten innerhalb von 18 Monaten den Zauber des historischen Gebäudes wieder an die Oberfläche gebracht. „Was erhaltenswert war wurde von uns auch so wieder restauriert und konserviert“, erläutert Architekt Oliver Lutz die Grundidee der Sanierung. Genau dies entsprach auch der Intention des Bauherrn, der selbst zahlreiche Impulse mit in die Renovierung einbrachte und der sich auch mit der Geschichte des Hauses näher befasste.
So wohnte in der Villa am See, im Haus seines Großvaters, auch der Maler Jan Balet. In seinen Kindheitserinnerungen hat er das aufregende Leben am See beschrieben und wie er von seiner Dachkammer aus den Blick auf den See erleben konnte. In den USA war Balet ein gefragter Illustrator von Kinderbüchern und er hat für namhafte Magazine sowie als Werbezeichner gearbeitet. Diese Vorgeschichte hat dem Bauherrn keine Ruhe gelassen und er begann im Internet über Jan Balet zu recherchieren. Und er fand ihn, mit Adresse in der Schweiz am Neuenburger See. Dort besuchte er ihn schließlich sogar, und Balet habe sich sehr gefreut, den neuen Hausbesitzer kennenzulernen.

Balets ehemalige Dachkammer mit dem niedrigen Fenster zum See ist im Zuge der Sanierung zu einer schmucken Dachgeschosswohnung, sogar mit einer kleinen Galerie direkt unterm Dachgiebel, ausgebaut worden. Und statt des winzigen Fensters wurde mit Einverständnis des Denkmalschutzes ein hohes, dreiteiliges Giebelfenster mit einem zusätzlichen ovalen Oberlicht eingebaut. So gewann das gesamte Ensemble an moderner Wohnqualität. Dazu hat auch die veränderte Erschließung über den Treppenaufgang in dem etwas abgesetzten Türmchen beigetragen. Denn aus dem bisherigen Einfamilienhaus, dessen Etagen nur über diese Treppe zu erreichen waren, wurde ein Haus mit zwei getrennten Wohnungen. Um das Hochparterre und das 1. OG intern zusammenzuführen, hat Oliver Lutz eine neue Verbindung im Wohnbereich geschaffen, sich hier mit einer modernen Treppe aus schwarzem Stahl und Holz bewusst von den historischen Vorgaben distanziert und einen modernen Akzent gesetzt. In zeitgemäßer Architektur zeigt sich ebenfalls der östlich vom Haus errichtete Carport mit Holzverschalung und Dachbegrünung. „Mir der Abrundung zum See hin haben wir an dieser Stelle eine Sonderform gewählt, die trotz der engen Nachbarschaft dem historischen Haus viel Freiheit lässt“, erläutert Architekt Oliver Lutz zu diesem neuen Element an der Villa. Bemerkenswert sind die Sanierungsarbeiten an wichtigen Details, wie dem wieder original herausgearbeiteten Tafelparkett, den Fenstern mit den Originalrahmen und gegen Isolierglas ausgewechselten Glasscheiben sowie den Türen. Diese hatte der Vorbesitzer in den 80er Jahren zwar gegen damals zeitgemäße Türen ersetzt, die Originale aber glücklicherweise auf dem Dachboden aufbewahrt. Diese wurden jetzt wieder aufgearbeitet. Nur die Beschläge waren nicht mehr aufzufinden. Aber hier wurde der Hausbesitzer aktiv und erstand in einem Münchner Geschäft dazu passende Messingtürgriffe, die in etwa aus der Zeit stammen dürften. (Quelle: www.entree-online.net)

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