25.04.2016

„Momos Welt“ nimmt Formen an

Richtfest für Kita-Erweiterung St. Felicitas und den Neubau Familientreff in der Weststadt

RAVENSBURG - Pfarrer Reinhold Hübschle von der katholischen Dreifaltigkeitspfarrei in der Ravensburger Weststadt hat die angenehme Gabe, Klartext reden zu können, ohne zu verletzen. Eine Kostprobe davon durften Vertreter der Stadtverwaltung und des Gemeinderats der Stadt Ravensburg beim Richtfest der Erweiterung der Kindertagesstätte St. Felicitas und des Neubaus Familientreff erleben.

Neun Jahre lang, so Pfarrer Hübschle, habe der Nachbarschaftstreff unter engsten Verhältnissen leben müssen. Dort, wo wertvolle Integrationsarbeit für und mit russischen, ukrainischen, türkischen sowie kurdischen Frauen geleistet worden sei. Den Lokalpolitikern schrieb der Pfarrer ins Stammbuch: „Wir mussten sie immer und immer wieder schieben und schieben, um sie dazu zu bewegen, auf das von uns angebotene Finanzierungsmodell für den Familientreff einzuschwenken: Eine halbe Million Euro zahlt die katholische Gesamtkirchengemeinde, die andere Hälfte die Stadt.“

Dennoch einträchtig banden dann Timo Hartmann, stellvertretender Leiter des städtischen Amtes für Soziales und Familie, und der „aufsässige Pfarrer“, wie er sich selber nannte, den Richtbaum an ein Seil, an welchem ihn fünf Zimmerleute auf das Dach des Neubaus hievten. Die Stadt Ravensburg und die Kirche sind sich einig: Neben der hälftigen Finanzierung des Familientreffs finanziert die Stadt auch den Bau der beiden neuen Kita-Gruppen. Kostenpunkt für Letzteres mit 1,8 Millionen Euro. Die katholische Gesamtkirchengemeinde übernimmt die Trägerschaft für Kita und Familientreff.

Der Konsens zwischen Stadt und Kirche geht sogar noch weiter: Stadtverwaltung und Gemeinderat hätten sich, so Timo Hartmann, zum Ziel gesetzt, mit der Zeit auch die anderen Kindertagesstätten in den Quartieren der Stadt zu Familienzentren nach dem Modell in der Weststadt weiterzuentwickeln.

Multikulturell und offen

Und warum „Momos Welt“? Angelika Böhm, Pastoralreferentin von Dreifaltigkeit und, so Pfarrer Hübschle, die eigentliche Anschieberin des Projekts, schätzt an Momo aus dem gleichnamigen Märchenroman von Michael Ende vier Eigenschaften: „Momo ist menschenfreundlich, originell, multikulturell und offen.“ Und genau diese Eigenschaften müssten auch die Eckpfeiler der neuen Einrichtung werden. Angelika Böhm habe ein Haus mit christlichem Geist vor Augen, offen für alle Mitbürger und frei von Bekehrungsversuchen, hieß es. Ein Raum der Stille lädt ein zum Gebet für Menschen aller Konfessionen und Religionen.

Michael Endes Momo wohnt in einem verfallenen römischen Amphitheater. Ravensburgs „Momos Welt“ wird eine kleine Arena besitzen. Denn überall dort, wo Momo hinkommt, haben Kinder keine Langeweile mehr und wieder Lust zum Spielen. Dass dieses neue Modell bürgerschaftlicher Begegnung experimentellen Charakter hat, sieht auch Pfarrer Hübschle: „Jetzt geht es darum: Wie funktioniert das Ganze in der Zukunft.“

Das Richtfest

Die Frage, warum bei einem Richtfest eine Tanne auf das Dach des neuen Gebäudes gesetzt wird, löste Architekt Jürgen Winterkorn beim Richtfest des neuen Familienzentrums in der Weststadt. Es ging im späten Mittelalter um die Beschwichtigung verärgerter Waldgeister. Verärgert darüber, dass aus ihrem Herrschaftsgebiet Holz entnommen worden ist für den Bau neuer Häuser. Eine Tanne an der höchsten Stelle des Neubaus sollte wieder Frieden schaffen zwischen Mensch- und Geisterwelt. (rkö)

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(Quelle: Schwäbische Zeitung)

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